Gedenkveranstaltung zur Russlanddeportation 2018

 

Am 15.01.2018 haben wir in einem feierlichen Gottesdienst im Hildegardissaal des Seniorenzentrums mit  anschließender Kranzniederlegung an unserm Denkmal der Russlanddeportation vom 14.01.1945 gedacht.  Msgr. Andreas Straub hat keine Mühe gescheut und den langen Weg nach Ingolstadt auf sich genommen um mit uns diesen Gedenkgottesdienst zu feiern. Er, sein Vater und seine Schwester waren ebenfalls nach  Russland verschleppt. Den Kranz zu Ehren der Verstorbenen und Vermissten in Russland haben Zeitzeugen zusammen mit der Heimleitung ans Denkmal getragen:

Fr. Hoch Elisabeth, Fr. Bauer  Anna, Fr. Klug Barbara, Fr. Streitmatter Anna und Fr. Jeck Barbara. Fasst alle sind Bewohner des Hauses und es ist nicht nur für sie sehr wichtig, an diese schweren Zeiten unserer Landsleute zu erinnern.

Die anschließende Gedenkveranstaltung zelebrierte Fr. Graf Franziska, Leiterin der Seniorengruppe Banater Schwaben aus Ingolstadt und der Chor der Senioren sang danach herzergreifende Lieder wie: „Tief in Russland“, „Russlandlied“, „Gestern in der Nacht“. Dazwischen hat Fr. Graf Gedichte von betroffenen Autoren vorgelesen. Eines davon, von einem Unbekannten Verfasser,  möchte ich kurz erwähnen:

„Bei uns in Russland mussten viele sterben,
Wir beten heute noch für sie.
Viele Väter, Mütter und auch Söhne,
sie müssen dort als Opfer ruhen.
Kein Name steht auf ihren Gräbern,
Man findet sie im Leben nie.
Wenn Gott auch uns mal nimmt die Seele,
Dann sind wir alle dort bei ihm.“

oder ein Vers unserer verstorbenen Mitbewohnerin Fr. Frombach Anna:

„Wer noch nie Komißbrot aß
Und weinend in dem Lager saß
Bei Tag und Nacht auf Arbeit stand,
Bei Sturm, Regen, Schnee und Wind
Der weiß nicht was bitt´re Stunden sind.“

In Ihrer feierlichen Ansprache erwähnte Fr. Graf die Grausamkeiten jener Deportation. Alle deutschen arbeitsfähigen Männer und Frauen wurden in Viehwaggons nach Russland zu sogenannten „Reparationsleistungen“ verschleppt wo sie hungernd und durstend bei Eiseskälte Schwerstarbeiten im Bergwerk, auf dem Bau oder Entladen der Waggons leisten mussten. Zahlreiche Erlebnisberichte Betroffener  die Fr. Graf zusammengetragen hat, wurden kurz zitiert. Sie schrieben sich den Kummer von der Seele um das Leid einigermaßen ertragen zu können. Das Erlebte ist so lebendig dargestellt um der Nachwelt erhalten zu bleiben.

Heute weiß man, dass der damalige König Michael gegen die Deportation war, sich aber nicht durchsetzen konnte. Lange Zeit durfte man in Rumänien nicht über diese schwere Zeit sprechen. Erst nach der Wende, im Jahre 1991 hat als Erster Prof. Dr. Stefan Binder Erlebnisberichte ehemaliger Russlanddeportierte gesammelt in einer Dokumentation unter „Sie litten und starben als Deutsche. Für wen“ in der Temeschburger Tageszeitung „Neue Banater Zeitung“ in 18 Folgen herausgebracht.

Im Mai 1991 wurde in Temeschburg die Organisation der Ehemaligen Russlanddeportierten vom rumänischen Staat als eigener Verein anerkannt. Vorsitzender ist Ignaz Bernhard Fischer. Auch gibt es in Reschitza und Temeschburg bereits Denkmäler zum Gedenken an die Opfer der Deportation nach Russland  1945 -1950. Der rumänische Staat hat sich bereit erklärt, den Deportierten eine kleine Rente zu bezahlen; der deutsche Staat hat mit einer einmaligen Entschädigung diese Zwangsarbeit anerkannt.

Fr. Graf ist wie viele Anwesende, selbst betroffene. Ihr Vater war auch nach Russland verschleppt und kam nie wieder zurück. Ihre Recherchen und Vorträge sind einmalig und authentisch. Wir danken Ihr ganz herzlich für diese Mühe und hoffen dass dadurch ein Mahnmal für die Zukunft gesetzt wird. So etwas darf nie wieder geschehen!

Wir werden jedenfalls hier im Banater Seniorenzentrum jährlich an diese schwerste Zeit der Russlanddeportation erinnern und sie nicht in Vergessenheit geraten lassen.

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